Seit 1848 verbindet das damalige Pressburg und Wien eine Bahnlinie auf dem linken Donauufer durch Theben-Neudorf und Marchegg.

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Die Idee, Wien und Pressburg, durch eine elektrisch betriebene Lokalbahn auf dem rechten Donauufer zu verbinden, stammt aus dem Jahre 1898. Geplant war  die Verbindungslinie vom Wiener Zentrum  durch  Gross- Schwechat – Fischamend – Petronell – Hainburg – Berg – Kittsee bis ins Zentrum von Pressburg. Es dauerte weitere lange 16 Jahre, bis die Idee zur Realität wurde. Die Bauarbeiten konnten erst nach Fertigung der Baupläne, Beschaffung der Genehmigungen und Einigung der beteiligten Parteien aufgenommen werden. Nach der feierlichen Übergabe der Linie am 1. Februar 1914 konnte am 5. Februar der regelmäßige Betrieb aufgenommen werden.

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Die Konzessionsurkunde für den Bau und den anschließenden Betrieb der elektrisch betriebenen Lokalbahn aus Pressburg bis zur österreich-ungarischen Grenze hat die freie königliche Stadt Pressburg erworben und zu diesem Zweck wurde am 23.12.1909 in Budapest die Gesellschaft „Pozsony országhatárszéli helyiérdeku villamos vasút (abgekürzt POHÉV) - Pressburgerbahn, Lokalbahn Wien-Pressburg (abgekürzt L.W.P.), Elektrická miestna železnica Prešporok – zemská hranica“ gegründet.  Das Monopol auf den Massenverkehr auf dem Territorium von Pressburg hatte seit 1898 die Aktiengesellschaft „Pozsonyi Villamossági Részvénytársaság (abgekürzt P.V.R.T.) -  Pressburger Elektrizitäts-Aktiengesellschaft.“ Beide Gesellschaften mussten sich bezüglich der Möglichkeit, die elektrische Lokalbahn auf dem Gebiet der Stadt zu betreiben, einigen, und was noch wichtiger war,  da in der Innenstadt auf der Linie der dortigen Straßenbahn Dreischienengleise verlegt werden mussten, musste auch diesbezüglich eine Einigung erzielt werden.

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In der Innenstadt gab es meterspurige Gleise der elektrischen Straßenbahn, wobei die elektrisch getriebene Lokalbahn mit einer Spurweite von 1435 mm angelegt wurde. Die Strecke führte durch Engerau über die Franz-Joseph-Brücke (Alte Brücke) auf Justilände (Vajanského nábrežie), Kossuth-Platz (Námestie Ľ. Štúra), Bruck-Gasse (Mostová ulica), Kossuth-Lajos-Platz (Hviezdoslavovo námestie), Rosen-Gasse (Jesenského ulica), Baross-Gábor-Straße (Štúrova ulica), König-András-Platz (Šafárikovo námestie) und zurück. Die ganze Strecke war eingleisig, mit Ausnahme der Brücke, wo sie aus Sicherheitsgründen zweigleisig geführt wurde. Die Bürger der Stadt haben sich sehr schnell an die Bezeichnung „Wiener Straßenbahn“ gewöhnt.

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Tatsächlich handelte es sich um einen Fernzug, der üblicherweise aus zwei Wagen, die von einer elektrisch getriebenen Lokomotive gezogen worden sind, bestand. Die Konstruktion der Lokomotive und der Wagen war eine Kompromisslösung, um den Zugverkehr, als auch den städtischen Straßenbahnverkehr zu berücksichtigen. Da die Stromversorgungssysteme auf der Strecke Wien – Pressburg unterschiedlich waren (auf der ungarischen, uns später auch auf der slowakischen Seite Gleichspannung, auf der österreichischen Seite Wechselspannung), musste an der Grenzstation Kopčany/Kittsee, auf der Hin- und Rückfahrt, die Lokomotive gewechselt werden. Das System mit der Lokomotive und zwei Wagen hat auf der slowakischen Seite eigentlich bis Mitte des Jahres 1935 funktioniert.  Vorübergehend wurde die Verbindung mit dem Zerfall Österreich-Ungarns unterbrochen. Teilweise wurde der Verkehr auf der slowakischen Seite am 2. Oktober 1919 (nur Lokalverkehr mit Straßenbahnwagen nach Kopčany) und auf der österreichischen Seite am 18. Dezember 1919  wieder aufgenommen. Nachdem der Verkehr wiederaufgenommen wurde, mussten die Fahrgäste auf beiden Seiten der Grenze durch die Zoll- und Passkontrolle und sie waren gezwungen umzusteigen.  Der Fernverkehr zwischen Wien und Bratislava wurde am 21. Mai 1920 wieder aufgenommen und später hat die österreichische, als auch die tschechoslowakische Zoll- und Passkontrolle direkt im Zug stattgefunden.

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Der Zug aus Wien bestand in der Regel aus vier bis fünf Wagen. Davon waren zwei direkte Kurswagen nach Bratislava. Seit 1924, nach den Änderungen der Stromversorgung im Abschnitt Kopčany – Landesgrenze (Änderung von 15 kV 16 2/3 Hz Wechselspannung zu 550 V Gleichspannung) wurde auch das System des Lokomotivwechsels geändert. Von der Zuggarnitur, die aus Wien in Berg angekommen ist, wurde die Lokomotive abgekoppelt, ans Ende der Garnitur gefahren und die Kurswagen, die nach Bratislava weiterfahren sollten, wurden bis an die Grenze geschoben. Dort hat schon die Lokomotive (oder Straßenbahn) aus Bratislava gewartet, sie wurde an die Kurswagen gekoppelt und die Fahrt konnte bis Bratislava fortgesetzt werden. Anfang des Jahres 1935 wurde die Gesellschaft Pressburgerbahn,  Lokalbahn Wien-Pressburg (abgekürzt L.W.P.), der Nachfolger von P.O.H.É.V., durch die Gesellschaft BEÚS – Bratislavská elektrická účastinárska spoločnosť, den Nachfolger der Gesellschaft  „Pozsonyi Villamossági Részvénytársaság (abgekürzt P.V.R.T.) -  Pressburger Elektrizitäts-Aktiengesellschaft.“, übernommen. Der neue Besitzer hat die gesamte Strecke von der 1435 mm Spurweite auf die 1000 mm Spurweite, die von der städtischen elektrisch getriebenen Bahn benutzt wurde, umgebaut, wodurch sie in das städtische Schienenverkehrsnetz eingebunden werden konnte. Auf der erneuerten Strecke verkehrte seit dem 5. Januar 1936 die Straßenbahn der Linie E - Stadt (damals Fochova, heute Medena Straße) - Landesgrenze Berg. Die Fahrtintervalle betrugen auf dieser Strecke 20 Minuten und zur Landesgrenze gab es eine Verbindung zu jedem ankommenden und abfahrenden Zug zwischen Berg und Wien. Der Verkehr auf der Straßenbahnlinie E wurde am 9.Oktober 1938, als Engerau an Deutschland angeschlossen wurde, eingestellt. Die deutsche Seite hat die Strecke Berg – Bahnhofstation Engerau wieder mit der Spurweite 1435 mm umgebaut und in den Jahren 1941-1945 betrieben. Nach Ende des II. Weltkrieges wurde der regelmäßige Personenverkehr auf dieser Strecke nicht mehr aufgenommen.

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Zwischen Bratislava und Wien verkehrten in der Regel 8 Zugpaare. Der erste Zug aus Bratislava fuhr um 04.50 Uhr, der letzte um 19.44 Uhr. Sonntags und an Feiertagen fuhr zusätzlich noch ein Abendzug um 21.00 Uhr.  Die Fahrt in eine Richtung dauerte 2 Stunden und 20 Minuten. Die Anfangs- und Endstation der elektrisch betriebenen Lokalbahn Pressburg – Wien befand sich an der Trennlinie zwischen dem heutigen Vajanský-Kai und  dem Ľ. Štúr-Platz. Weitere Haltestellen in der Stadt gab es am Hotel Carlton in der heutigen Mostová Straße und am Ende der Štúrová Straße vor der Auffahrt auf die Brücke über die Donau.  Auf der Engerauer Seite hielt der Zug an weiteren 8 Haltestellen.

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„Die Wiener Straßenbahn“, wie sie die Slowakisch- und Ungarischsprechenden genannt haben, ist heute nur noch Vergangenheit. Sie gehört jedoch zur Stadt und ist Teil ihrer Vergangenheit, ihres Kolorits.  Ihr rundes Jubiläum ist sicher ein guter Grund dafür, dass man ihr auch im Rahmen eines Buches gedenkt, an dem die Herren Peter Martinko,  Ladislav Szojka a Milan Král arbeiten. Wir freuen uns auf dieses Buch.

Július Cmorej

 

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Die Fotografien wurden zur Verfügung gestellt von:  Juraj Horváth, Július Cmorej, Michal Zika, Tomáš Kocman, Peter Martinko und Milan Král.

Für das geplante Buch über die Geschichte der Wiener Bahn suchen wir Fotografien, Dokumente und Informationen, die uns helfen würden, das bestehende Archiv zu ergänzen. Wenn Sie solche Dokumente besitzen und Sie würden gerne unsere Sammlung erweitern, schreiben Sie uns, oder schicken Sie sie, bitte, an die folgende E-Mailadresse: pohev@yahoo.fr 

Seit Juni 2011 organisiert der Klub „Klub priateľov mestskej hromadnej a regionálnej dopravy“ (Klub der Freunde des Massen- und Regionalverkehrs) in Bratislava eine öffentliche Sammlung zu Gunsten der Rekonstruktion der Lokomotive P.O.H.É.V. Ganz Eg 6. Sie können gerne die Rekonstruktion mit einer Spende unterstützen. 

Aus der Slowakei:

Kontonummer der öffentlichen Sammlung: 63 55 05 694/0900, Variables Symbol: 1914

Aus dem Ausland: IBAN kód: SK32 0900 0000 0006 3550 5694

SWIFT kód: GIBASKBX

VARIABLES SYMBOL: 1914

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Peter Martinko